JOSCHKA HALTAUFDERHEIDE
BEOBACHTUNGSPOSTEN

Joschka Haltaufderheide's first booklet "Beobachtungsposten" contains 13 shortstories and text fragments between surrealism and the perception of everyday life. A collection of texts, which were written during the last four years.

TEXTS

01. Sinn und Zweck
02. Supermarkt
03. Alles dreht sich
04. Stil
05. Der Beobachter
06. Der Trophäenjäger
07. Sinken
08. Hafen
09. Blauer Bildschirm
10. Zeitkollagen
11. Verlieren
12. Die Stadt
13. Die Träne


EXTRACT

Ich öffnete die großen Schwingtüren. Staub fiel von den Griffbrettern und ein muffiger Geruch stieg mir in die Nase, vertraut und beruhigend. Eine Weile blieb ich im Eingang stehen und betrachtete die sich im Dunst brechenden Lichtstrahlen, wie sie spielend zu Boden glitten , den dichten Staub durchdrangen und scheinbar mühelos von den darunterliegenden Fliesen wieder emporglitzerten. Auf einem großen Schild neben dem Einlaß zum Verkaufsbereich stand in schwarzen Lettern: „Hier wird mit Eindruck bezahlt!“. Unwillkürlich glitt meine Hand in die rechte Hosentasche. Hatte ich denn überhaupt genügend Eindrücke? Ich zählte. Es müßten eigentlich viel mehr sein, hatte ich mich in letzter Zeit doch darauf verlegt die Güter mitgehen zu lassen die ich brauchte, den Rest in den riesigen Regalen hatte ich ignoriert.
Als ich mich die letzten Male auf meinen Überwachungsbändern erkannt hatte, beschloß ich mich nicht mehr zu bestehlen.
Aber es waren zu wenige Eindrücke. Viele waren mir einfach durch die Finger geronnen, wie Sand, waren zu fein, als das man sie hätte festhalten können.
Ich nahm einen Einkaufswagen, den einzigen den ich finden konnte, und schob ihn auf das erste Regal zu. Ich war gerade dabei das Regal aufzufüllen, grüßte mich freundlich und fuhr weiter. Oft hatte ich an diesem Regal gestanden, es gab Probleme im Sonderangebot, kaum einen Eindruck teuer. Es hatte mich gefreut, derart billige Nahrung zu finden, und jedesmal hatte ich ein zwei Packungen unter meinen Mantel gesteckt. Anfangs schmeckten sie gut, aber mit der Zeit wurden sie fad und eintönig.
Heute nicht, heute würde ich mir die Zeit für einen dieser Bummel nehmen, die ich schon so lange nicht mehr unternommen hatte. Einige der Regale, die ich passierte waren leer, auf anderen stand: „ mangels Eindruck eingestellt!“, weitere waren einfach nur leer.
Ich schüttelte den Kopf und mahnte mich, diese Mißstände bei meinem nächsten Arbeitstag zu beseitigen.
Wie lange der letzte wohl her war? Wann hatte ich zum letzten Mal mein kleines Büro hinter der Spiegelscheibe betreten, die Produktion überwacht, Gedanken in die richtigen Regale sortiert? Ich wußte es nicht.
Ich fuhr weiter. An einigen Stellen waren die Regale zerbrochen, Gedanken auf dem Boden zerstreut, gammelten vor sich hin. In einer Ecke roch es nach Alkohol, in einer anderen nach abgestandenem Rauch.
Wieder ging meine Hand in die Tasche. Es waren so wenige Eindrücke. Als ich gearbeitet hatte waren es viel mehr, obwohl jeder weis, das Arbeit nicht bezahlt wird und ich viel weniger Zeit hatte. Ich nahm mir vor, meine Arbeit so schnell wie möglich wieder aufzunehmen, denn eigentlich mochte ich mein kleines Büro hinter der Spiegelscheibe, und den ganzen Tag nichts zu tun hatte mir nur zu Beginn Spaß gemacht.[...]

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2,0 MB

DATE OF RELEASE: 08/10/2005
KATALOGUE-NO.: DKL001
GENRE: SHORT STORIES

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