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MICHAEL HERBST ZWISCHEN BIBEL UND BILD PASST IMMER NOCH EIN LEBEN
“Zwischen Bibel und Bild passt immer noch ein Leben“ is the first book of the new Digital Kunstrasen - artist Michael Herbst, who presents 15 texts herewith. The book contains poems and short stories dealing with topics and situations out of every day life.
TEXTS 01. The Train Trilogy - Un Petit - We Cry For Saviours But Receive Even Worse - Was mehr nervt oder was ich alles eingepackt habe 02. Liberté Toujours 03. Life-Style-Bastel-Maschine 04. Zeit vs. Moment 05. Wenn ich nur wüsste 06. Erlaubte Orte 07. Hallo! So nicht! 08. Die Lichtenfels Abrechnung - 2mm Blut - Was früher mal ne Kneipe war ist heute mein Kopf 09. A Night Full Of Catastrophies And Canaries 10. Schleier des Vergessens 11. Negativabzug II 12. Von der Stammelf auf die Tribüne 13. Cigarettes And Alcohol, Started Feeling Like A Libertine 14. Garden Of Broken Disappointments 15. Retrospektiv gesehen kannten wir uns nie EXTRACT Mitten in der Nacht aufzuwachen war nichts neues für ihn. Den Kopf aber aus einem nassen Kissen zu heben und nicht zu wissen, ob die Feuchtigkeit auf die Hitze der Nacht oder vergossene Tränen zurückzuführen ist, schon. Zu lange hatte er seine Trauer, diesen tiefsitzenden Schmerz in seiner Brust im Alkohol zu ertränken versucht. Zu viele Zigaretten in dieser Zeit geraucht. Der Wille all dies zu ändern und die Ereignisse der letzten Zeit zu verarbeiten war durchaus vorhanden. Zudem hatte er mehr als einmal das Gefühl, dass alles bereits ad acta gelegt sei. Wie bereits erwähnt, lag der Wille tief verankert in ihm. Lediglich das “wie” wollte ihm nicht in den Sinn kommen. Immer wenn er kleine Fortschritte gemacht hatte und auf dem besten Wege war, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen, stieß er auf Dinge, die ihn meilenweit zurückwarfen. Lieder, Geschenke oder gelesene Zeilen, so sahen seine Feinde in diesen Tagen aus. Dieses mal half auch keine Flucht. Wohin auch? Herz und Hirn reisen immer nach. Als er also in dieser Nacht sein vertrautes Nachtlager, welches lediglich aus zwei übereinander gelegten Matratzen bestand, verließ und er sich, nachdem er eine Zigarette angezündet hatte, auf den Balkon seines Appartements begab, wurde ihm erneut bewusst, was er an seinem derzeitigen Leben, was er zuweilen als Dahinvegetieren bezeichnete, hasste. Das ständige Trinken und Rauchen, die Antriebslosigkeit, das Abhandensein jeglicher Strukturen, die fehlende Hand, die ihm über die Stirn streichelt. Es waren die kleinen Dinge, welche er so sehr vermisste. Er war nicht unbedingt einsam. Das wäre übertrieben. Menschen neigen zu Übertreibungen. Eigentlich war er fast immer in menschlicher Gesellschaft. Jedoch kamen hin und wieder diese Momente, in denen er sich einsam fühlte und er Linderung im Alleinsein suchte. Zu oft hatte er allein an den Tresen der Bars dieser Stadt gesessen und das Glas in seiner Hand und seine Emotionslosigkeit verflucht. Dabei war er gar nicht emotionslos. Er hatte nur Angst diese zu zeigen. Bis zu diesem Moment. Zynischerweise hatte er gelernt über sich, seine Gefühle und seine Befindlichkeiten zu reden. Doch leider zu spät, wie er fand. Er hasste die allgemeingültige Formel für Romantik nicht, war aber der Meinung, dass viel zu viele Menschen passionslos versuchten, diese aus ihm herauszukitzeln. Und da waren sie wieder, die Erinnerungen an eine von ihm als “goldene Ära” beschriebene Zeit. Eine Zeit, in der er sich glücklich wähnte. Bis zu dem Augenblick als das Kartenhaus vor seinen Augen zusammenbrach. Ein Haus, das für ihn so unkaputtbar erschien, wie für manche Menschen die Lehren der Bibel, aber in Wirklichkeit so zerbrechlich war wie ein Zahnstocher als Mast auf hoher See. Während er in den nächtlichen Sternenhimmel blickte, die Zigarette bis auf den Filter abgebrannt, ran eine Träne über seine Wange auf das Geländer des Balkons. Er wusste, dass er noch Zeit brauchte. |
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DATE OF RELEASE: 07/04/2007 KATALOGUE-NO.: DKL003 GENRE: POETRY/SHORT STORIES HOMEPAGE: gossenpoesie.de |