MEIK PUPPE
WELLENWOGENGESELLSCHAFT

Mit der "WellenWogenGesellschaft“ liefert der multitalentierte Remscheider Meik Puppe nach einigen musikalischen Veröffentlichungen wieder ein größeres Werk im Bereich Text und Lyrik ab. Texte, von und für klassische Lesungsabende ebenso wie für Slams konzipiert, bringen nach langer Zeit wieder eine kompakte Ansammlung an absurden Ideen und bizarren Spielweisen mit der deutschen Sprache auf den Bildschirm.
Wie lebt es sich mit Wolfgang Amadeus Mozart in der eigenen WG? Oder Oliver Kahn in der Nachbarschaft? Was kann ein Kunde tun bei zu viel Nutella im Schweineblut? Ist der Einsatz eines Live-Orchesters in Pornofilmen vertretbar? Wie viel Terror kann ein Achtjähriger mit einem Zirkel verbreiten? Und vor allem: Was kommt eigentlich wirklich nach dem Tod?
Der Kabarettist, Musik und Autor Meik Puppe beantwortet mit der "WellenWogenGesellschaft" all diese Fragen und vieles mehr. In 20 kurzweiligen Geschichten und Gedichten kann man wieder ungehemmt lachen und nachdenken.

TEXTE

01. Mehr Eier!
02. Die große Grönland-Garnele
03. Der Zirkel von Leif
04. Das Husten des Mars
05. Loch
06. Klaus-Jürgen braucht ein neues Unterhemd
07. Klobürstenhaltersehnsucht
08. Der Krieg der Reflexe
09. Pornodreh bei Garmisch (mit Orchester)
10. Nutella
11. Der Leser sollte durch Überschriften nicht verwirrt werden
12. Im Pferdeleichenwagen
13. Neues von Thomas Kreuzfahrt
14. Der Sechs-Brötchen-Schock
15. Unser Schorf soll Döner werden
16. Mehr Gürtel, weniger Keuschheit
17. Schlechter leben mit Mozart
18. Memorandum
19. Der Hypochonder
20. This Is The End

LESEPROBE

„Wo andere ein Herz haben, klafft bei ihm nur ein großes, schwarzes Loch.“ Wie oft habe ich diesen Satz schon lesen müssen und Sie sicherlich auch. Kaum ein Kinostreifen der letzten zwanzig Jahrzehnte, wo sich nicht irgendein Richard Burton, Anthony Hopkins oder Jeremy Irons diesen zauberhaft nutzlosen Satz verdienen durfte. Mal abgesehen davon, dass auch bei einem Bösewicht, so skrupellos und unnahbar er auch gespielt werden mag, ein Loch wohl kaum in der Lage sein dürfte, die gesamte Blutzirkulation und somit die Sauer- und Nährstoffverteilung des Bösewichtskörpers zu übernehmen, hinkt der Vergleich auch anderweitig. Selbst der größte Psychopath und der hinterhältigste Syndikatsleiter benötigt in sich eine ausgewogene Mischung aus Vitaminen und Spurenelementen, was ihm alleine ein Loch als Antriebskraft wohl kaum bieten dürfte. Doch dies gilt eben nicht nur für alle Capone, sondern auch für alle anderen Menschen. Jawohl, auch wir müssen doch im Alltag bisweilen die Rolle des Bösewichts spielen. Leben wir deshalb vielleicht alle in dieser Welt, wo es keine Herzen mehr gibt und stattdessen nur noch riesige Löcher in uns klaffen und schlagen? Was wäre dies überhaupt für eine Welt, in der jedes Herz durch ein Loch ersetzt worden wäre? Die Antwort hierfür gebe ich gerne. Wäre jedes Herz ein Loch, würde sich schon der Alltag von Grund auf ändern. Menschen würden vielleicht nicht mehr so lochlos durch die Welt gehen, wie sie dies heute tun, sondern lochensgut sich nur noch um die Dinge kümmern, die einem wirklich am Loch liegen. Vielleicht würde man sich schneller als jetzt ein Loch fassen und es nicht so zaghaft versuchen, mit den Menschen in Kontakt zu kommen, für die vielleicht heimlich das eigene Loch schlägt. Sollte einem nicht gleich das Loch in die Hose rutschen, entstehen so sicherlich schneller als man denkt traumhafte Beziehungen, die es in unserer realen Welt niemals gäbe. Menschen würden anfangen, sich in der Öffentlichkeit zu lochen und ritzen auf romantischen Spaziergängen Löcher in die Baumrinden. Im Taumel der Liebe würden sie sich viel schneller etwas schenken, was von Lochen kommt. Vielleicht belohnen sie sich ja mit einer gemeinsamen Reise mitten hinein ins Loch der Karibik oder gar nach Bosnien-Lochzegowina. Vielleicht erfüllen sie sich auch ganz andere Lochenswünsche. Natürlich will ich es auch nicht beschönigen: Sicherlich gäbe es in der Welt voller Löcher auch Probleme und Schwierigkeiten. Vielleicht schlagen manche Löcher bald nicht mehr füreinander und man trennt sich schweren Lochens. Oder manches Loch zerspringt in tausend Stücke, weil der Partner längst für sich ein begehrenswerteres Lochblatt gefunden hat. Und nur die Wenigsten werden wohl noch aus purer Barmlochigkeit bei ihrem alten Partner bleiben. Oder denken wir nur kurz an den großen Bereich der Gesundheit. Wie viele Menschen würden in einer solchen Welt wohl bald über Lochflattern oder andere Loch-Rhythmus-Störungen klagen, so dass sie so richtig auf Loch und Nieren geprüft werden müssten? Wie schnell würden die Lochkranzgefäße verstopfen und im schlimmsten Fall sogar ein richtiger Lochkasper drohen? Wie schnell könnte nach solch einer Lochattacke nur noch eine Lochtransplantation helfen? Wie rasant wäre in einer solchen Welt der Absatz für heilsame Produkte wie eine gute Flasche Doppelloch? Auch kulinarisch würde sich einiges ändern. Und dabei wäre für jeden Geschmack etwas dabei. Die Freunde des Süßen könnten endlich in große Lebkuchenlöcher beißen, lochlich verziert mit lochallerliebsten Sprüchen. Freunde des Unsüßen könnten sich ungehemmt auf lochhafte Rinderlöcher stürzen oder viele andere Köstlichkeiten, die das Loch begehrt. Oder nehmen wir die Kulturlandschaft. Auch diese würde sich vollkommen ändern. Angefangen von Dichtungen und Weisen der letzten Jahrhunderte wie „Geh aus, mein Loch, und suche Freud“ oder „Dein ist mein ganzes Loch“ bis hin zur zeitgenössischen Pop- und Volksmusik würden die Änderungen greifen. Die Wildecker Lochbuben hätten von ihrem „Lochilein“ gesungen und andere Schlagerstars vom Loch-an-Loch-Gefühl. Hätte Rammstein wirklich ein Album „Locheleid“ genannt? Und hätten Modern Talking vielleicht noch größeren kommerziellen Erfolg feiern können, wenn sie gesungen hätten „You're my hole, you're my soul“? Davon ist auszugehen, denn in diesem Fall würde es sich ja sogar auf wundersame Weise reimen. Bliebe letztlich auch noch die Frage, ob dies alles denn auch umgekehrt gelten und plötzlich aus jedem Loch ein Herz würde? Würden die Menschen dieser Parallelwelt mit einem Herzer ihre Unterlagen abheften, sich am Baggerherz sonnen und ein Golfherz nach dem anderen ablaufen? Würden Motten Herzen in die Kleidung der Menschen fressen und könnte man hier ein Ungeheuer im Herz Ness suchen? Wie auch immer, einiges würde sich verändern, wie man merkt. Deshalb, liebe Kultur- und Kinoredakteure: Wenn das nächste Mal wieder so ein Bösewichtsstreifen anläuft, ereifen Sie gefälligst mal woanders rein als in die Kiste dieser ewig gleichen Textbausteine. Vielen genervten Kinomagazin-Lesern wie mir wäre sehr damit geholfen, würden Sie diesen Rat belochigen. Lochlichen Dank!

PDF
2,9 MB

RELEASE-DATUM: 30/04/2008
KATALOG-NR.: DKL007
STILRICHTUNG: KURZGESCHICHTEN/LYRIK

WEITERE RELEASES DES KÜNSTLERS:
DKA102, DKA090, DKA084, DKA080, DKA064, DKA027, DKA023, DKA003, DKL002,
DKL014


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